Rechte nutzen Gamification strategisch zur Verbreitung ihrer Ideologie und machen sich Elemente von Spielen auf perfide Weise zu nutzen. Zu diesem Schluss kommt der Künstler Arne Vogelgesang in seinem Vortrag auf dem Chaos Communication Congress.
Die rechte Aneignung von öffentlichen Räumen der Gamingszene nahm Anfang des letzten Jahrzehntes so richtig Fahrt auf. Rechte gründeten das 4chan Board /politically incorrect/, um dort ideologische Memes zu produzieren. Gleichzeitig wurden Spiele populär, in denen Spieler*innen wahlweise Hitler, Anders Breivik oder Mussolini spielen konnten.
Gleichzeitig beobachtet Vogelsang, dass rechte Attentäter für ihre Anschläge zunehmend Games als Vorbild nehmen: Sie streamen ihre Gewalt live ins Internet und fordern Zuschauer*innen zum Nachahmen auf. Denn: „Ohne Wiederholungen ist es kein Spiel“, wie Arne Vogelgesang es formuliert. Die Häufung rechtsextremer Anschläge nach Christchurch, die alle nach einem ähnlichen Schema abliefen, belegt das.
Memes, Livestreams im Stil von so genannten Let‘s‑Play-Videos und die Verbreitung von Druckvorlagen für hausgemachte Waffen, wie der Attentäter von Halle sie veröffentlichte, sind elementar für die Wiederholbarkeit. Vogelgesang fasst den zugrundeliegenden Gedanken so zusammen: „So spiele ich das Spiel. Wie spielst du es?“

„Capture the Flag“ für Rechte und Reconquista Germanica
Rechte Gamification hat viele Varianten. In den USA machten Rechte sich ein Kunstprojekt zu eigen, indem sie es sabotierten. Das Projekt des Trios LaBeouf, Rönkkö & Turner begann am Tag der Amtseinführung von Donald Trump und rief die Öffentlichkeit dazu auf, den Satz „He Will Not Divide Us“ in eine Kamera zu sprechen, die ursprünglich an der Außenwand eines Museums in New York befestigt war. Rechte sprachen stattdessen rechte Parolen ein, die im Livestream auf der Webseite des Projektes übertragen wurden. Die deutlich abgespeckte Version des Kunstwerkes – eine weiße Flagge mit dem genannten Claim – tourt jetzt um die Welt an immer unzugänglichere Orte. In der Folge haben Rechte einen Sport daraus gemacht, sie dennoch zu finden und zu beschädigen. „Wir haben es hier mit einem Paradebeispiel für die Gamifizierung eines Verhältnisses in der realen Welt zu tun“, sagt Vogelgesang.
Auch ein rechtes „Spiel“ aus Deutschland stellt Vogelgesang vor: Das verdeckt operierende rechtsextreme Netzwerk Reconquista Germanica, über das „ja glücklicherweise mittlerweile in der Vergangenheit“ gesprochen werden könne. Das Netzwerk hatte 2017 vor allem über die Plattform Discord Angriffe gegen politische Gegner:innen koordiniert.
Das letzte Beispiel, Patriot Peer, ist nicht im Stream zu sehen: „Patriot Peer ist das einzige Spiel, das ich zeige, das immer noch entwickelt wird“, sagt Vogelsang, „und ich möchte keine Werbung für Nazi-Apps im Internet machen.“
Hier könnt ihr den ganzen Talk im Archiv des CCC sehen. Wer möchte, kann ihn sich auch auf YouTube ansehen.
